Wachtel mit Shiitake-Muffin

Zu Gast im Restaurant Venerius

Felix Thomas liebt ungewöhnliche Kombinationen, vielleicht, weil er mehrere Jahre im Ausland gekocht hat. Sein Haubenrestaurant in Eckolstädt ist dennoch bodenständig. Es gibt viel Regionales zu sehr fairen Preisen.

Er ist ein bisschen nervös, aber das hat diesmal nicht mit einer neuen Speisekarte zu tun oder einem plötzlich ausgefallenen Mitarbeiter. Und auch nichts mit der Gault-Millau-Auszeichnung, die er gerade wieder gewonnen hat und wegen der alle paar Minuten das Telefon klingelt. Felix Thomas ist auf dem Sprung in den Urlaub. Mit der Familie. Die schon beim Packen ist, wobei er eigentlich helfen sollte. Wozu er aber eigentlich keine Zeit hat. Weil er sich noch um sein Restaurant kümmern muss. Um die Dienstpläne und die Bestellungen und um die Einkaufsliste für die Kollegen. Alles kein Problem, meint er, wenn da nicht… In zwei Stunden wollen sie los. Im Vergleich mit der Logistik eines Familienurlaubs scheint der Betrieb eines preisgekrönten Restaurants eher eine leichtere Übung zu sein.

Anstoßen mit Felix Thomas

Anstoßen mit Felix Thomas, ©Carlo Bansini, Thüringer Tourismus GmbH

Dabei ist Felix Thomas Trubel mittlerweile gewöhnt. Der 32-Jährige ist so etwas wie der Shooting-Star unter Thüringens Köchen. Seit er 2013 das Venerius im kleinen Eckolstädt bei Bad Sulza eröffnete, hat er mehr gewonnen als die meisten Köche in ihrem kompletten Berufsleben. Die aktuelle Gault-Millau-Auszeichnung mit 14 Punkten ist die sechste im sechsten Jahr in Folge. Ja und? Felix Thomas sagt, dass er sich natürlich freut. Aber eher für sein Team – ihm selbst seien diese Auszeichnungen „fast egal“. „Ich koche für meine Gäste. Nicht für einen Kritiker, der ein einziges Mal vorbeikommt und den ich dann nie wieder sehe.“

Einblick ins Haubenrestaurant Eckolstädt

Einblick ins Haubenrestaurant Eckolstädt, ©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Felix Thomas war in der Welt unterwegs. Neun lange Jahre lang. Er hat im Berliner Ritz-Carlton gekocht und in Seafood-Restaurants in Australien, er war hier und dort und schon wieder weiter, aber irgendwann zog es ihn zurück nach Hause. Hier gab es diesen alten Dorfsaal, der nur zwei, drei Mal im Jahr genutzt wurde. Die restliche Zeit über stand er leer. Natürlich war die Familie skeptisch: ein Restaurant in unserem 600-Seelen-Ort? Wer um alles in der Welt sollte denn da zum Essen kommen? Cross-over-Küche – was soll das denn bitteschön sein? Und dann auch noch so ein Schickimicki-Laden! Wie sollte der auch nur halbwegs voll werden? Felix Thomas muss schmunzeln, wenn er an die Diskussionen aus der Zeit denkt, in der das Venerius eher als Spinnerei und nicht als Vision gehandelt wurde. Heute ist das Restaurant so gut wie immer bis auf den letzten seiner achtzig Plätze gefüllt. „Damals hab ich gesagt: Wenn wir drei Monate im Voraus ausgebucht sind, haben wir es geschafft“, erinnerte sich Felix Thomas. „Das ist längst passiert.“

 


Was bestimmt damit zu tun hat, dass er mit seinem zehnköpfigen Team ziemlich Außergewöhnliches leistet. Einmal pro Monat wird die komplette Karte ausgetauscht, zwei Suppen, drei Vorspeisen, neun Hauptgänge und drei Desserts. „Es muss für Köche spannend bleiben, immer das Gleiche ist doch langweilig, und ein gelangweilter Koch ist kein guter.“ Von seinen Reisen mitgebracht hat Felix Thomas auch einen unorthodoxen Umgang mit Zutaten: Felix Thomas kombiniert zum Beispiel Wachtelbrust mit asiatischem Rettich (und legt noch einen Shiitake-Pilz-Muffin dazu). Oder er serviert den Heilbutt in einer Kruste aus Knäckebrot. Er liebt es, Gerichte aus aller Welt regional aufzupeppen, sagt er, „ein bisschen was von überall her plus das von zu Hause.“


Mittlerweile ist er immer öfter bei Erzeugern in der Region unterwegs und kauft Fisch, Käse und Straußenfleisch, man glaube gar nicht, wie sehr sich das Weimarer Land da gemacht habe, „die Qualität ist absolut top“. Und weil er viele Produkte über die familieneigene Großküche günstiger bekommt, kann er ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. 40 bis 45 Euro zahlen die meisten Gäste für ein komplettes Abendessen mit Getränken im Venerius.
Zukunftspläne? Neulich war ein Magier im Venerius und eine japanische Sushi-Meisterin, solche Events würde er gern öfter auf die Beine stellen, meint Felix Thomas. Jetzt muss er aber erst mal los, Kofferpacken. Und dann in den Urlaub.


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