Wagners Wartburg Tipp

Richard Wagner in Thüringen

Er war da. Besuchte die Venushöhle und die Wartburg und ließ sich zu seiner „Tannhäuser“-Oper inspirieren, weilte in Meiningen bei der herzoglichen Familie und erhielt in Jena einen gefälschten Pass. Wie sein Leben, so sein Nachlass: eigenwillig, ungewöhnlich und dramatisch...

Die Abendsonne leuchtet durch die Fenster der Wartburg in Eisenach – bis zum dramatischen Ende des „Tannhäuser“ wird sie untergegangen sein. Aber so weit sind wir noch nicht. Im Moment strömen die Gäste zur Burg, die eine unvergleichliche Kulisse für einen sommerlichen Konzertabend wie diesen hier abgibt. Die Damen versuchen, trotz ihrer Pfennigabsätze heil übers Kopfsteinpflaster im Hof zu kommen (Junker Jörg hatte es da bestimmt leichter), die Herren – viele in Schwarz – stützen sie.

 

Sonnenuntergang auf der Wartburg in Eisenach

Sonnenuntergang auf der Wartburg in Eisenach © Moritz Kertzscher, Thüringer Tourismus GmbH


Die Burgschenke verkauft neben Sekt und Bier auch ganz bodenständige Wienerle und Brezeln auf die Hand. Und von oben, von den Fenstern im Arkadengang des Palas, beobachten einige Konzertgänger das Treiben hier unten. Ein wunderschönes Bild.
Es gibt wohl kaum einen stimmungsvolleren Ort, um Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ zu erleben, als den Originalschauplatz. Er war öfter in Thüringen, ließ sich auf der Wartburg zum „Tannhäuser“ inspirieren, weilte in Meiningen bei der herzoglichen Familie, erhielt 1849 auf der Flucht nach Zürich in Jena gar einen gefälschten Pass.

 

Die Reuter-Wagner-Villa in Eisenach

Die Reuter-Wagner-Villa in Eisenach © Anna-Lena Thamm, Eisenach Wartburgregion Touristik GmbH

In der Musikstadt Eisenach steht am Fuße des Wartburg-Bergs das Reuter-Wagner-Museum, das größte Wagner-Archiv nach Bayreuth - mit der sogenannten Oesterlein-Sammlung. Etwa 5.000 Bücher lagern in Eisenach, Partituren, Briefe und die handgeschriebene Rienzi-Partitur. Außerdem steht in der Reuter-Villa ein Tafel-Klavier, auf dem Richard Wagner als Junge gespielt hat.
Besonders spannend ist eine Zeittafel, die zeigt, was im 19. Jahrhundert außer Wagner sonst noch los war: Im Jahr 1854, als Wagner „das Rheingold“ herausbrachte, wurde auch der Kölner Dom fertig. 1874 gab es nicht nur die „Götterdämmerung“, sondern auch ein Attentat auf Bismarck, und die Zivilehe vor dem Standesamt wurde obligatorisch. Und was stand im Tannhäuser-Jahr 1845 so alles an? Alexandre Dumas brachte den „Graf von Montechristo“ heraus, und in Glashütte begann die industrielle Fertigung von Taschenuhren. Mit seiner Oper „Tannhäuser“ setzte Richard Wagner dem legendären Sängerstreit ein musikalisches Denkmal. Als die Ouvertüre im Festsaal der Wartburg erklingt, ist die emotionale Bewegung im Publikum spürbar – obwohl viele nicht zum ersten Mal hier sind, um der Musik Wagners an diesem besonderen Ort zu lauschen.
„Wir arbeiten daran, das klangliche Marbach zu sein.“ Das sagt einer, der privat mehr Jazzer als ein Wagnerianer ist – nämlich Kulturamtsleiter Reinhard Lorenz. Die Stadt hat ja, neben Richard Wagner, mit dem multimedialen Bachhaus einen weiteren Anziehungspunkt für Musikliebhaber. Außerdem gibt es hier ein Pop- und Jazzarchiv, das einmalig ist in Europa, auch wenn das (bislang) kaum jemand weiß.
Das Lippmann+Rau-Musikarchiv liegt in der Alten Mälzerei, einem schönen, ungewöhnlichen Fachwerkbau mit Jazzkeller am westlichen Stadtrand. Es beherbergt etwa 150.000 Tonträger und 80.000 Bücher und Zeitschriften. Einst wurde hier Malzkaffee gemacht, nun lagert in den loftartigen Räumen die Geschichte der populären Musik und zieht Wissenschaftler und Liebhaber gleichermaßen an. Gemütlich ist es hier, zwischen Jukebox, Grammophon und all den in Regale gebannten Tönen. Gern würde man sich hier mal einschließen lassen und dann ganz für sich allein musikalische Streifzüge unternehmen, auflegen, auflegen, auflegen...

Auf der Wartburg strebt inzwischen der Tannhäuser seinem dramatischen Ende zu: die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden. Auch um Tannhäuser wird es dunkel. Erst im Tod wird er Erlösung finden. Die Musik schwillt im Dämmer des Festsaals machtvoll an. „Wo immer mich ein Ton von Richard Wagner trifft, bewegt mich das“, so fasst Dr. Nike Wagner, die Urenkelin Richards, ihr ganz persönliches Wagner-Gefühl zusammen.

 

Tipp 1: Wagners Meiningen

Das Meininger Staatstheater

Auch das berühmte Meininger Theater widmet sich immer wieder Richard Wagner. Wagner kannte das Städtchen von einem mehrtägigen Besuch, immer wieder engagierte er Musiker der Meininger Hofkapelle für die Bayreuther Festspiele. Sein charmantes Statement, geschrieben an Herzog Georg II., lautete: "Es gibt viele Meinungen, aber nur ein Meiningen."

 

Tipp 2: Wagners Unterstützer aus Weimar

Wer Richard Wagner tiefer verstehen will, kommt auch an seinem großen Fürsprecher Franz Liszt und der Klassikerstadt Weimar nicht vorbei. Franz Liszt war bis 1861 an der Hofkapelle in Weimar tätig. Unter seiner Federführung wurden beispielsweise Richard Wagners "Tannhäuser" und "Lohengrin" uraufgeführt. Cosima, Franz Liszts Tochter, wurde Wagners Frau.

 


 


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